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 Umweltpreis

Umweltpreis für innovativen Travenhorster

Travenhorst - Thorsten Dickhuth hat Separatoren in einer Molkerei so umgebaut, dass bei der Reinigung deutlich weniger Abwasser anfällt, Magermilch eingespart und gleichzeitig die Betriebszeiten erhöht wurden. Insgesamt 64 Innovationen aus dem gesamten Bundesgebiet konkurrierten
in diesem Jahr um denSignal Iduna Umwelt- und Gesundheitspreis der Handwerkskammer Hamburg". Zu den drei Gewinnern gehört Thorsten Dickhuth, Spezialist für Separatoren.

Durch Umstellungen an den Separatoren in einer großen Molkerei in Niedersachsen gelang es ihm, dass bei dem Reinigungsverfahren deutlich weniger Abwasser anfällt, der Einsatz von Reinigungschemikalien wie Natronlauge oder Salpetersäure stark reduziert wird und außerdem die Betriebszeiten der Anlage erhöht werden.

Separatoren arbeiten nach dem Prinzip der Zentrifuge und trennen vor allem Flüssigkeiten höherer von solchen geringerer Dichte. In Molkereien scheiden sie beispielsweise den Rahm von der Magermilch. "Früher war es so, dass recht viel Schmutz in der Milch schwamm, der im Separator ebenfalls ausgesondert wurde", erzählt Dickhuth. Daher mussten und müssen die Geräte häufig gereinigt werden: je nach Größe alle 15 bis 45 Minuten. Dabei gehen zwölf bis 14 Liter Magermilch verloren, und mehr als 20 Liter Frischwasser werden für die Spülung benötigt.

"Heutzutage kommt die Milch aber schon sehr sauber zur Molkerei, da auch die Technik im Kuhstall enorme Fortschritte gemacht hat", weiß Dickhuth. Insofern müsse auch nicht mehr so intensiv und häufig gereinigt werden. Durch umfangreiche Umbauarbeiten in der Anlage, Optimierung der Reinigung, Verbesserung von Verschleißteilen und den Einbau einer Weichwasseranlage, gelang es Dickhuth, die Reinigungsprozedur nicht schon nach 40 Minuten, sondern erst nach 270 Minuten in Gang zu setzen. "Das ersparte der Umwelt und der Molkerei circa 1,4 Millionen Liter Abwasser im Jahr 2006", erzählt der Reinfelder Spezialist.

Außerdem konnten durch die kontinuierlichen Laufzeiten die Wartungsintervalle verlängert werden. Durch die längeren Betriebszeiten benötigt die Anlage zudem nur die Hälfte an Getriebeöl und deutlich weniger Ersatzteile aufgrund von Verschleiß, da sie nicht so häufig hoch- und wieder heruntergefahren werden muss. "Der Einsparungsfaktor an Wartung und Teilen für die Molkerei lag bei 35 000 Euro im vergangenen Jahr. Außerdem blieben der Molkerei dadurch fast 420 000 Liter Magermilch erhalten."

Bei der Preisverleihung betonte der Hamburger Umweltsenator Axel Gedaschko: "Der Signal Iduna-Umwelt und Gesundheitspreis der Handwerkskammer Hamburg fördert kreative Projekte in Bereichen, die für unsere Zukunft entscheidend sein werden. Gerade vor dem Hintergrund der Bedrohungen durch den Klimawandel brauchen wir jede Menge neuer Ideen und pragmatische Lösungen." Nicht zuletzt auf den Preisträger Dickhuth spielte auch Peter Becker, Präsident der Handwerkskammer Hamburg, an, als er erklärte: "Die Auszeichnung wirkt als Antrieb für Ressourcenschonung, Reduzierung von Emissionen und eine Verbesserung der Gesundheitssituation in den Betrieben."

Dickhuth selbst nannte als eigenes Schlüsselerlebnis für den Umweltschutz einen Einsatz in Russland für seinen damaligen Arbeitgeber, die Firma Alfa Laval. In Novokuibishew an der Wolga nahm er eine Ölreinigungsanlage in Betrieb, nachdem dort Altöl für eine Umweltkatastrophe in der Wolga gesorgt hatte. 
Wie kam es überhaupt, dass sich Dickhuth auf Separatoren spezialisierte? "Ich habe eine Ausbildung in der Seeschifffahrt gemacht. Da die Arbeit mit Ölseparatoren in Schiffen gemeinhin eine recht schmutzige Angelegenheit ist, wird immer der jüngste Techniker oder Maschinist mit der Wartungs- und Reparaturarbeit betraut." So kam es, dass er sich über die Jahre hinweg zu einem absoluten Spezialisten entwickelte, der es sich zum Ziel setzte, "seine" Separatoren möglichst problemlos laufen zu lassen und durch entsprechende Pflege der Geräte Schäden und Reparaturen zu vermeiden.

Nach der sechsjährigen Ausbildung fuhr er zwei Jahre lang als Ingenieursassistent auf der MS Transfinlandia (Travemünde). Anschließend studierte er vier Semester Schiffsbetriebstechnik an der Fachhochschule in Flensburg, wo er sein Patent als Technical Ship Engineer machte. Nach dem Studium heuerte Dickhuth aber nicht mehr bei einer Reederei, sondern bei dem schwedischen Konzern Alfa Laval in Glinde an. Dessen Gründer Gustaf de Laval hatte 1883 den Separator erfunden.

Hier war der zweifache Familienvater als "Trouble Shooter" weltweit unterwegs, denn Separatoren werden vielfältig eingesetzt - sei es im Maschinenraum von Schiffen (ermöglicht den Dauerbetrieb des Schmieröles), in der Lebensmittelindustrie (Weinkelterei, Bierbrauereien, Molkereien) oder in der Chemiebranche (Pharmazie, Kosmetika). Nach der Übernahme von Alfa Laval durch Tetra Pak entschloss sich Dickhuth, das Unternehmen zu verlassen und sich selbstständig zu machen.

Aufgrund seiner Spezialkenntnisse und Fähigkeiten war dies kein großes Wagnis, vor zehn Jahren wurde er zudem zum Sachverständigen der Handwerkskammer für Separatoren und Separatorenanlagen bestellt - er ist der einzige Gutachter auf diesem Gebiet in ganz Europa. Der jetzt mit 2500 Euro gewonnene Sonderpreis der Handwerkskammer belohnt Dickhuths Engagement und Einsatz für Umweltschutz und Wirtschaftlichkeit auf eindrucksvolle Weise. 

Von Joachim Strunk, LN